Der Grosse Preis der Schweiz – Schweizer Erfolg in Bern
- 19. Juli
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Es ist in der Schweiz etwas geschehen, was während über siebzig Jahren undenkbar war: Das Verbot von Rundstreckenrennen ist gefallen. Seit Monaten wird darüber diskutiert, im Juni 2026 soll der Bundesrat entscheiden. Und obwohl damit der Bau einer neuen Rennstrecke nur marginal näher rückt, ist es doch ein erster Schritt. Denn die Schweiz ist und war ein Land mit einer lebendigen Motorsportszene – heute national mit Bergrennen und Slalom, einst aber international mit dem «Grossen Preis der Schweiz» auf dem Strassenrundkurs von Bremgarten bei Bern.
Die Geschichte der Berner Rennstrecke beginnt aber lange bevor 1950 zum ersten Mal die Formel-1-Autos durch den Bremgartenwald fuhren. Eröffnet wurde der Circuit Bremgarten bereits 1931, zunächst für Motorradrennen. Ab 1934 kamen dann die Automobile hinzu. Mit den Autos kam auch das Publikum. Über 50 000 Zuschauer strömten zum 1. Grossen Preis der Schweiz am 26. August 1934 an den «Bremer» und das Rennen wurde rasch zu einem Fixpunkt in den internationalen Rennkalendern. Es war der Aufstieg der Schweiz in die oberste Liga des Motorsports und zählte auch zur Europameisterschaft. Es gewannen grosse Namen wie Alberto Ascari, Giuseppe Farina oder Juan Manuel Fangio.
Ein Schweizer Erfolg im Jahr 1952
Und dann waren da natürlich noch die Schweizer Fahrer. Der bekannteste unter ihnen: Rudolf Fischer, Rennfahrer und Mitbegründer des Genfer Rennteams Ecurie Espadon. Als Privatfahrer kämpfte er sich mit bemerkenswerter Konsequenz in die Königsklasse des Motorsports vor, seinen ersten Start hatte er 1950 beim Heimrennen in Bern. Seinen grössten Erfolg feierte er zwei Jahre später – wieder in Bern.
Weil in dieser Saison nicht genügend Teams für die Austragung einer Formel-1-Weltmeisterschaft gefunden werden konnten, wurde in der höchsten Klasse nach dem Reglement der Formel 2 gefahren. Mit einem Ferrari 500, den auch die drei Fahrer des Werksteams einsetzten, startete Fischer am 18. Mai 1952 aus der zweiten Reihe zum Grossen Preis der Schweiz. Nachdem er ins Mittelfeld zurückgefallen war, kämpfte er sich während dem Rennen sukzessive wieder nach vorne auf den vierten Platz hinter Jean Behra.
Behra allerdings musste an die Box, wo ihn die überrumpelten Mechaniker mit Wasser übergiessen mussten, weil ihm während des Rennens der Auspuff abgefallen war und ihm die heissen Abgase den linken Oberschenkel versengt hatten. Weil kein Ersatzteil vorhanden war, schickte das Team Behra für eine weitere Runde auf die Strecke, während man einen passenden Ersatzauspuff zurechtbog. Jean Behra verlor viel Zeit, Fischer konnte an ihm vorbeiziehen auf den dritten Platz.
Richtige Boxenstopp-Strategie
Das Rennen gewann schliesslich Piero Taruffi – und Rudolf Fischer fuhr hinter ihm auf den zweiten Platz, nachdem Farina wegen technischen Problemen ausgefallen war. Lange bevor Boxenstopp-Strategie zum Stichwort wurde, fiel Fischer bereits mit einer klugen Fahrweise auf, die ihm schliesslich den Erfolg brachte: Während alle anderen Fahrer für einen Tankstopp in die Box mussten, bestritt der Schweizer das ganze Rennen mit einer Tankfüllung, was ihm einen entscheidenden Vorteil verschaffte.
Fischer war nicht der einzige Schweizer, der in Bremgarten antrat. Auch Emmanuel de Graffenried, Peter Hirt oder Max de Terra waren in diesem Jahr am Start. Aber Fischer gelang das Husarenstück, als Privatfahrer auf heimischem Boden die Übermacht der Werksteams zu brechen. Eine Leistung übrigens, die er mit einem dritten Platz auf dem Nürburgring im selben Jahr wiederholte. Nach fünf Rennen in der Saison 1952 lag Fischer im Schlussklassement schliesslich auf dem vierten Platz, was das beste Resultat eines Privatfahrers bedeutete, das in der Formel 1 je erzielt wurde.
Und sein zweiter Platz in Bern war und ist bis heute eines der besten Resultate eines Schweizer Formel-1-Fahrers. Erst Jo Siffert in den 1960er- und Clay Regazzoni in den 1970er-Jahren konnten bessere Resultate erzielen. Für Fischer war die Saison 1952 zugleich die letzte seiner Motorsportkarriere. Nachdem Ferrari für die Saison 1953 nicht ihn, sondern den Briten Mike Hawthorn unter Vertrag nahm, gab er den Motorsport auf.
Le Mans 1955 und das Ende von Bern
Der tragische Unfall in Le Mans am 11. Juni 1955, der über 80 Menschen das Leben kostete, wühlte international die Motorsportwelt auf und brachte die Politik in Bewegung. Noch im selben Jahr fasste der Bundesrat den Entscheid, dass Rundstreckenrennen mit Motorfahrzeugen in der Schweiz verboten werden. Mit dem Inkrafttreten des Strassenverkehrsgesetzes im Oktober 1959 war das Verbot in Artikel 52 festgehalten. Von der ehemaligen Grand-Prix-Strecke sind in Bern kaum mehr Spuren übriggeblieben.
Text: Kim Hüppin – Bilder: ETH-Archiv, Mercedes-Benz
👉 Dies ist eine gekürzte Version des Originalartikels. Den ausführlichen Text zur Geschichte des GP Bern lesen Sie in AUTOZEIT 1/2026 (erhältlich hier).




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