RWB Swiss #1 – Keine Konventionen bei Akira Nakai
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Aktualisiert: vor 3 Tagen

Mit dieser Geschichte bewegen wir uns ein gutes Stück über die Grenzen der klassichen Oldtimerszene hinaus. Dessen sind wir uns völlig bewusst. Wir tun das auch nicht in erster Linie des Produktes wegen, sondern wegen des Prozesses und wegen den Menschen dahinter. Denn da gibt es bei Rauh-Welt Begriff einiges, das fasziniert.
Für die einen ist es ein Sakrileg, einen klassischen Porsche auf diese zu verbasteln. Für andere ist es Kunst. Akira Nakai, der Mann dahinter, sieht sich selbst weder als Künstler noch als Handwerker. Er arbeitet einfach. Weder will er sich erklären müssen, noch darüber philosophieren, was andere in seinen Autos sehen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wollen wir uns der Geschichte von Akira Nakai, Rauh-Welt Begriff und dem ersten Schweizer Umbau annähern und versuchen, sie zu verstehen.
Von Japan in die Welt
Bevor Nakai anfing, Porsches zu verbreitern, gehörte er in Japan zur Drift-Crew «Rough World», später arbeitete er in einer Werkstatt, wo er zum ersten Mal mit Porsche in Kontakt kam. Sein eigener Porsche 930 wurde zum Ursprung für jenen Stil, der ihn später weltberühmt machte. Der brachial verbreiterte Porsche stiess auf Interesse, so dass bald Aufträge folgten. Die Bodykits entstehen in Handarbeit aus Glas- und Kohlefaser in seiner Werkstatt, für die Montage reist Nakai dann um die ganze Welt. Denn: Ein echter Rauh-Welt Begriff wird von Akira Nakai selbst umgebaut.
Wie viele es inzwischen gibt, weiss niemand so genau, nicht einmal Nakai selbst. Die Schätzungen bewegen sich irgendwo zwischen 800 und 1200 Fahrzeugen. Klar ist: Hätte er klassische Auftragsbücher, wären sie gut gefüllt. Alleine für dieses Jahr soll er gegen hundert Umbauten eingeplant haben, er dürfte kaum alle abarbeiten können. Wer einen RWB will, wartet. Manchmal Jahre.
Vom Rummel unbeeindruckt
Die Familie Laich aus der Ostschweiz hatte Glück. Im Jahr 2024 schrieb sie einen Brief an Nakai-san. Einige Wochen später kam eine knappe E-Mail zurück: Er sei noch nie für einen Umbau in der Schweiz gewesen – und würde gerne kommen. Also musste ein Porsche her. Die Wahl fiel auf einen 964 Carrera 4. Das Bodykit wurde ausgesucht, die Optionen festgelegt.
Wenn Nakai dann mit der Arbeit beginnt, muss alles bereitstehen. Das Glasfaserkit und sämtliche Anbauteile liefert er im Voraus. Vor Ort bleiben ihm zwei Tage – rund 16 Arbeitsstunden, in denen alles ziemlich schnell geht. Nicht hastig, aber fokussiert arbeitet er. Die Garage in Seelisberg ist eng. Nakais Arbeitsbereich ist zwar für die zahlreichen Zuschauer gesperrt, doch die Familie, die Mechaniker, seine Entourage und eine Handvoll Fotografen, Journalisten und Content Creator drängen sich um das Auto. Und um Nakai, schauen ihm bei der Arbeit buchstäblich über die Schulter.
Dieser zeigt sich vom Rummel um seine Arbeit und seine Person erstaunlich unbeeindruckt. Er spricht kaum ein Wort und wenn doch, dann meist mit seiner Assistentin Yuki, die kaum von seiner Seite weicht. Der Schweizer «Build» gefällt ihm offensichtlich. Das familiäre Umfeld und die Leidenschaft, mit der die Familie Laich das Projekt verfolgt, lassen ihn nicht unberührt – auch wenn seine Mimik während der beiden Tage nur selten Einblick in seine Gefühlswelt bietet. Nakai mag solche Herzensprojekte. Autos, hinter denen nicht einfach nur ein grosses Budget, sondern auch eine persönliche Geschichte steckt.
Die Familie arbeitet mit
Immer wieder lässt er die Familie mitarbeiten, lässt sie Löcher bohren, Schrauben anziehen. Dann sitzt er mit seinem Hund auf dem Schoss daneben und raucht eine Zigarette. Während weiterhin alle Kameras auf ihn gerichtet sind. Es sind seltene Pausen und er macht sie vermehrt gegen Ende des Umbaus, wenn die entscheidenden Anpassungen gemacht sind und vor allem noch Teile montiert werden müssen. Bis dahin braucht es Nakais Auge.
Berühmt-berüchtigt ist der Moment, wenn er die Säbelsäge ansetzt und das Blech der Radläufe zerschneidet – nach Augenmass. Aber auch alle Anbauteile, wie Seitenschürzen, Kotflügelverbreiterungen oder Spoilerlippe passt er erst vor der Montage an, schleift sie nach Augenmass zurecht, bevor sie verschraubt und dann natürlich verklebt werden. Für seinen ausgesprochen grosszügigen Einsatz von Silikonkleber ist Nakai längst bekannt.
Das Auto steht dabei entweder auf den Rädern oder auf einfachen Unterstellböcken. Der 55-Jährige kniet daneben, kriecht darunter oder sitzt im Schneidersitz davor. Selbst die Lenkgeometrie stellt er auf diese Weise ein: mit Augenmass, Klebeband, einem Wagenheber und ein paar Böcken. Ob das exakt ist? Manchmal schon. Manchmal nicht. Dann könnte man es eigentlich genauso gut bleiben lassen, möchte man einwenden. Doch es gehört eben einfach auch dazu.
Übergabe mit einem Lächeln
Sowieso wird im Nachgang der gesamte Porsche der Familie Laich noch einmal gründlich überarbeitet. Denn das Auto soll nicht bloss Kunstobjekt sein, sondern tatsächlich auf der Strasse gefahren werden können. Damit aus Nakais Werk ein in der Schweiz zulassungsfähiges Auto wird, braucht es zusätzliche Arbeit.
Nach zwei Tagen ist aus dem Porsche 964 der erste in der Schweiz aufgebaute «RWB» geworden. Ein Auto, an dem sich die Geister scheiden werden. Vielleicht sogar müssen. Akira Nakai dürfte das ziemlich gleichgültig sein. Er hat seine Arbeit getan. Als er das fertige Auto an die Familie übergibt und Anna, Hans, Luca, Timo und Isabelle nacheinander die Hand schüttelt, huscht dann doch noch ein Lächeln über sein Gesicht.
Text: Ramon Egger – Bilder: Kim Hüppin
👉 Dies ist eine gekürzte Version des Originalartikels. Den ausführlichen Text lesen Sie in AUTOZEIT 4/2026 (erhältlich hier).








































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