VW ID.7 Tourer – Geht doch
- Ramon Egger
- 6. Aug. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Aug. 2025

VW kann es ja doch. Fast vergessen das Debakel um den ID.3 und das Geschwätz, dass die Deutschen bei den Stromern gegenüber den Chinesen ins Hintertreffen geraten, wenn man im VW ID.7 Tourer sitzt. Alleine schon weil: Kombi.
Das macht halt niemand sonst hierzulande, schon gar nicht die Chinesen. Klar, Stellantis hat mit dem Peugeot e-308 SW und dem Opel Astra Sports Tourer auch noch einen elektrischen Kombi im Angebot, aber da sind dann doch noch zwei Welten dazwischen. Bleibt noch der i5 Tourer, der ist vom ID.7 nicht einmal so weit entfernt – auch preislich nicht – aber nur schon, dass Volkswagen plötzlich mit BMW konkurrenziert, zeigt, dass man in Wolfsburg doch das eine oder andere richtig zu machen scheint. Es soll keine Lobhudelei werden, aber wir waren vom ID.7 Tourer tatsächlich: positiv überrascht.
Über 500 Kilometer
700 Kilometer Reichweite hatte Silke Bagschik, Baureihenleiterin der ID-Fahrzeuge, einst versprochen. Das schafft nur die Limousine, für den Kombi sollen es mit der grösseren 86-kWh-Batterie 689 Kilometer sein. Und mit der 77-kWh-Batterie, die wir im Test hatten immer noch 605 Kilometer nach WLTP. Tatsächlich sind es dann gute 500 Kilometer im Alltagsverkehr, aber auch das ist noch völlig akzeptabel. Also: gut. Laden kann der ID.7 mit bis zu 200 kW, 10 bis 80 Prozent in 28 Minuten. Da lässt sich VW noch immer etwas abhängen.
Was weniger gut geht, ist: die Routenplanung. Zwar hat man die Planung der Ladestopps mit der neuen Software deutlich verbessert gegenüber den früheren Modellen (bei uns war Softwarestand 5.2 drauf, aktuell ist 5.4), aber noch immer zeigen sich gewisse Probleme mit der Routenplanung. So wollte uns das Navi mehrfach auf der Autobahn 10 Minuten in die falsche Richtung fahren lassen, um eine Schnellladesäule zu erreichen, obwohl es auf unserer geplanten Route mehr als genügend Ladepunkte gegeben hätte – und diese dem Navi auch bekannt waren.
Die KI kann's nicht
Die Probleme mit der künstlichen Intelligenz gehen noch etwas weiter, die digitale Assistentin «IDA» ist alles andere als intelligent. Den Unterschied zwischen AC- und DC-Ladesäulen kennt IDA nicht und simple Fragen («Sind auf meiner Fahrt Ladestopps eingeplant?») beantwortet sie mal richtig, mal falsch, mal gar nicht, mal fragt sie ChatGPT, was Ladestopps sind. Das Kritik ist auch gar nicht, dass sie die Antwort nicht kennt, sondern es ist die Inkonsistenz der Antworten, die die Funktion nur bedingt nutzbar macht.
Damit wären dann die grösseren Kritikpunkte abgehakt. Ausser vielleicht: die unsäglichen Touch-Buttons auf dem Lenkrad, die nur noch über das Infotainment verstellbaren Lüftungsdüsen und die Fensterheber (Wer bei VW auf die Idee gekommen ist, dass drei Knöpfe für vier Fenster eine gute Idee sind, sollte dringend noch einmal den Grundkurs «Usability» besuchen…). Wer auf den Sprachassistenten verzichten kann und für das Navi lieber Google Maps nutzt, wird damit zurechtkommen. Wobei Maps ja mit dem Finden von Ladepunkten auch so seine Mühe hat. Sonst ist der VW ID.7 nämlich wirklich: überzeugend. Das Platzangebot? Äusserst grosszügig. 605 Liter Kofferraumvolumen – bis zu 1714 Liter sind es bei heruntergeklappter Rückbank und eine fast zwei Meter lange Ladefläche. Da kann man campieren darin. Die Kniefreiheit auf den Rücksitzen: fürstlich.
Na gut, ein grosszügiges Platzangebot ist jetzt nicht wirklich ein Alleinstellungsmerkmal bei einem 4.96 Meter langen Kombi, da darf man schon etwas erwarten. Was dann eher unerwartet gut ist, sind die Assistenzsysteme. Namentlich: Der Lenkassistent. Der beherrscht automatisierte Spurwechsel auf der Autobahn und kann typische Landstrassenkurvenradien problemlos selbst fahren (dazu haben wir ein Video vorbereitet, das kommt dann auch noch…) und hält sich auf Strassen ohne Mittellinie an den rechten Strassenrand. Möglich macht das die Schwarmintelligenz, VW speichert die Fahrdaten in der Cloud ab und nutzt diese für die Assistenzsysteme. Einziges Manko: Gelegentlich meldet sich das System ohne Vorankündigung ab, die Hände gehören also immer in passiver Bereitschaft ans Lenkrad.
Viel schneller Luxus
Und dann ist da noch der Luxus. Natürlich, der Innenraum ist typisch deutsch: Kühl und nüchtern. Und man möge uns jetzt steinigen für diese Aussage, denn ein Auto ist ja schliesslich zum Fahren da. Aber: Wenn die Vordersitze in Liegeposition gebracht werden, eines der verschiedenen Massageprogramme aktiviert und der Meditationsmodus im Infotainment eingeschaltet wird und wenn dann der Regen melancholisch auf das grosszügige Panoramadach prasselt – dann lassen sich auch die Ladepausen entspannend überbrücken.
Bereits als ID.7 Pro – also der Basisvariante – sind die Fahrleistungen schon ganz ordentlich. Mit 286 PS und Heckantrieb rennt er in 6.6 Sekunden auf Tempo 100. Noch vor 15 Jahren hätten wir da einen ordentlichen V6 von Audi dazu benötigt, heute reicht die Basismotorisierung eines gewöhnlichen, elektrischen Familienkombis aus dafür. Das Fahrwerk ist auch ganz gut. Wirklich sportlich ist er nicht, trotz viel Leistung und Drehmoment – da kommen dann das Leergewicht von 2.2 Tonnen und der Radstand von 2.97 Metern in die Quere. Letzterer sorgt aber für Stabilität, so dass der ID.7 sehr ruhig, sehr komfortabel dahingleitet.
Die Preisfrage
Wir haben eingangs den BMW als mehr oder weniger einzigen direkten Konkurrenten für den ID.7 erwähnt, was natürlich nur die Hälfte der Wahrheit ist. Die andere Hälfte ist: VW hat den grössten Konkurrenten selbst im Programm. Wer nicht zwingend (nur) elektrisch fahren muss, kann nämlich auch auf den Passat zurückgreifen. Den Passat gibt es als Diesel bereits ab 46’400 Franken, als Plug-in-Hybrid mit – realistischen – 120 Kilometern elektrischer Reichweite ab 56’600 Franken. Der ID.7 Tourer kostet mindestens 61’500 Franken, unser Testwagen brachte es auf 72’400 Franken. Wer all-in geht und den 340 PS starken GTX mit Allradantrieb, Wärmepumpe und voller Ausstattung ordert, kommt dann auch gut auf 90’000 Franken. Einen solchen Kombi muss man sich dann schon leisten wollen.
Text: Ramon Egger – Bilder: Kim Hüppin
Technische Daten: VW ID.7 Tourer Pro
Motor permanenterregter Synchronmotor
Batterie 77 kWh (netto), Li-Ion
Ladeleistung 11 kW (AC), 175 kW (DC)
Ladezeit DC (10–80%) 28 min
Leistung 210 kW (286 PS)
Drehmoment 545 Nm
Antrieb Heckantrieb
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
0–100 km/h 6.6 s
Dimensionen (LxBxH) 496x186x154 cm
Radstand 297 cm
Gewicht (leer/gesamt) 2210/2650 kg
Verbrauch (WLTP) 15.4 kWh/100 km
Reichweite (WLTP) 605 km
Preis (Basis/Testwagen) 61'500/72'404 CHF








































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